| Müllrecycling für Designermöbel |
| Magazin - Wohnen | |||
| Geschrieben von: Inca Vogt | |||
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Neulich versuchte ich einen Metalltisch an die Eisensammler los zu werden. Der Sturm hatte die Glasplatte zerschmettert und somit war das gute Stück für mich wertlos. Doch auch die Schrotthändler fanden die puren Eisenteile nicht einmal des Betrachtens wert. Diese seien vermutlich beschichtet, meinte der Sammler und fuhr einfach weiter. Ärgerlich. Vermutlich war es ihnen schlicht zuviel, das ehemals gute Stück vom Balkon tragen zu helfen. Komische Welt, dachte ich. Einerseits heißt es Rohstoffe sind knapp. Auf der anderen Seite will sie keiner haben. Nicht mal geschenkt. Aber es gibt Hoffnung. In Köln ist aus einem ehemaligen Stunden- ein "Schrott-Hotel" entstanden. Eingerichtet mit Gegenständen, die andere weggeworfen haben. Sogar das Design sei stimmig. Wovon wir uns in einer ZDF-Soap selbst überzeugen können. Die Doku-Soap ist ab 20. April zu sehen... Mit dabei ist auch "Schrott-Designer" Oliver Schübbe, der 2006 die Recyclingbörse "ZweitSinn" mit begründet hat. Diese besteht aus einem Netzwerk von Designern und Handwerksbetrieben. Sie bündeln ihre Erfahrungen rund um die Wiederverwertung von Möbeln in einem gemeinsamen Internet-Portal. Mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) ist aus dem von der Technischen Universität (TU) Dortmund entwickelten Ansatz das Konzept "Wohn-Visionen 2020" erwachsen. Der Erfolg des Projekts - auch auf der Internationalen Möbelmesse Köln - zeigt: Leben in recycelten Möbel ist Trend "Der verborgene Sinn weggeworfener Dinge", den der Dadaist Kurt Schwitters in seinen künstlerischen Arbeiten bereits Anfang des 20. Jahrhunderts thematisierte, wird bei "ZweitSinn" zu realen Produkten. Aus Möbeln vom Sperrmüll entwickeln die Netzwerk-Designer moderne und qualitativ hochwertige Unikate - zum Teil schon bei Wettbewerben prämiert. Insgesamt 29 umweltschonende Möbel-Kleinserien haben die kreativen Köpfe von "ZweitSinn" bereits entworfen, die sie über ihre Homepage vertreiben. "Dadurch wird die Abfallmenge verringert und der Gedanke der Kreislaufwirtschaft gestärkt", erklärt DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde. "Die Zeit ist überfällig, dass gebrauchte Materialien nicht achtlos 'entsorgt', sondern systematisch als Rohstoff angesehen werden." Damit werde auch die Neuproduktion mit Primärrohstoffen beschränkt. "Das schont Ressourcen und mindert den Ausstoß von Kohlendioxid", so Brickwedde. DBU förderte wegweisende Projekte Das 2006 gestartet Konzept hat sich auf Initiative des Instituts für Umweltforschung der TU Dortmund mittlerweile zu "Wohn-Visionen 2020" weiterentwickelt. Ganze Zimmereinrichtungen und Raumkonzepte aus gebrauchten Materialien entwerfen die beteiligten kleinen und mittelständischen Betriebe. Auch in der Wissenschaft hat der Recycling-Gedanke Einzug erhalten und steht jetzt auf den Lehrplänen dreier an dem Projekt teilnehmender Hochschulen für Design (Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur, Akademie Gestaltung im Handwerk Münster, Kunsthochschule Kassel). Die DBU förderte das Netzwerk "ZweitSinn" mit 120.000 Euro und unterstützt aktuell "Wohn-Visionen 2020" mit weiteren 192.000 Euro. "Ein wichtiger Bestandteil beider Vorhaben ist aber nicht nur, die Umwelt zu entlasten, sondern auch Berufsperspektiven für sozial benachteiligte Menschen zu schaffen", betont Verena Exner, DBU-Referentin für Umweltkommunikation in der mittelständischen Wirtschaft. So werde neben der ökologischen auch die soziale Dimension des Nachhaltigkeitsgedankens berücksichtigt. In den Projekten würden Ausbildungsplätze und Qualifizierungsmaßnahmen etwa für Tischler, Polsterer oder Glaser geschaffen. "Damit soll die Chance für Jugendliche und Langzeitarbeitslose erhöht werden, auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Beschäftigung zu finden", so Exner. Ob Fenster, Treppen oder Dachziegel, gut erhaltene Bauteile sind genauso wie Möbel zu schade für den Schredder. Das "bauteilnetz Deutschland" bietet eine Plattform, wieder verwendbare Bauteile in die Kreislaufwirtschaft zurück zu führen. Durch finanzielle Unterstützung schob die DBU auch dieses bundesweite Kooperationsprojekt erfolgreich an. Seit Beginn 2006 sind mittlerweile an elf Standorten in Deutschland Bauteilbörsen entstanden. Brickwedde: "Die innovativen Ideen unserer Projektpartner zeigen, wie der Wohn- und Bausektor maßgeblich dazu beitragen kann, Abfall zu vermeiden, Energie einzusparen und den Kohlendioxidausstoß zu mindern." So sei auch eine im März durchgeführte Tagung im Zentrum für Umweltkommunikation (ZUK) der DBU zum Thema "Wiederverwendung von Bauteilen national und international" auf großes Interesse gestoßen.
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