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Atomunfall in Japan. INES-Stufe 7
Magazin - Umwelt
Geschrieben von: Inca Vogt   

Japan ist zerstört. Die furchtbaren Bilder, die der Tsunami und starke Erdbeben hinterlassen, haben in der ganzen Welt Entsetzen und eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Niemand, der in diesen Tagen nicht nachdenklich wird und seine Position zu Atomkraftwerken überdenkt. Die CDU schwenkt um, versucht hierzulande mit einer dreimonatigen Stillegung der ältesten Atomkraftwerke zwecks Überprüfung Sicherheit neu zu definieren. Was das bringt?

Die Küstenstädte in Japan wurden vom Tsunami und immer neuen starken Beben teils völlig ausradiert. Die Folgen. Unzählige Menschen haben ihre Heimat verloren. Fristen in Notunterkünften frierend und hungernd ein Überleben in Angst. Die offizielle Tosezahl hat längst die 10.000 Marke überschritten. Weitaus mehr Menschen werden noch vermisst - und vielleicht nie wieder gefunden.

Weit mehr als die sichtbaren Spuren der Zerstörung zählt die unendliche Gefahr, die von dem zerstörten Atomkraftwerk Fukushima Daiichi ausgeht.

Laut Greenpeace hat der Atomunfall in Japan die höchste INES-Stufe 7 erreicht - die Atomenergiebehörde IAEO müsse die Nuklearkatastrophe auf Tschernobyl-Level einstufen. Was bedeutet das? ...

 
Die Stufe 7 ist die höchste Stufe laut internationaler Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES).

Aus der havarierten Atomanlage sind schon jetzt entsprechend große Mengen an Radioaktivität entwichen. Dies ergibt eine Studie des Physikers Dr. Helmut Hirsch für Greenpeace. Seine Untersuchung basiert auf offiziellen Daten der französischen Strahlenschutzbehörde (IRSN) und der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Hirsch kommt zu dem Ergebnis, dass die Gesamtmenge der radioaktiven Substanzen Jod-131 und Cäsium-137 die Einstufung in INES 7 erfordern. Die japanischen Behörden ordnen die Atomkatastrophe derzeit der Stufe 5 zu.

"Die höchste Stufe der Unfallskala der IEAO ist jetzt erreicht", sagt Heinz Smital, Kernphysiker und Atomexperte von Greenpeace. "Es sind derart große Mengen an Radioaktivität freigesetzt worden, dass die derzeitige Katastrophe im AKW Fukushima 1 jeden Vergleich sprengt. Und die Freisetzung geht weiter."

Die heutigen Berichte über sehr hohe Radioaktivitätswerte am Reaktor 1 in Fukushima Daiichi und die möglicherweise ernste Beschädigung von Reaktor 3 mit einer anzunehmenden Kernschmelze und beschädigtem Reaktordruckbehälter geben Anlass zu großer Sorge. In Reaktor 3 befinden sich hochgiftige Mischoxid Brennstäbe (MOX) aus Uran und Plutonium.

Katastrophe steht in drei bis fünf Reaktoren bevor

Während beim Atomunfall von Tschernobyl lediglich ein Reaktor havarierte, steht in Fukushima Daiichi derzeit eine Katastrophe in drei bis fünf Reaktoren bevor. In drei Reaktoren hat ein Verlust von Kühlmittel die Kernschmelze beschleunigt. Das Abklingbecken von Reaktor 4 mit abgebrannten MOX-Brennelementen verlor Kühlmittel, fing Feuer und es kam zu einer zerstörerischen Wasserstoffgas-Explosion.

Dr. Hirsch schließt daraus: "Alle Freisetzungen aus den Fukushima-Reaktoren zusammengenommen entspricht die Katastrophe offensichtlich Stufe 7 nach INES. Man könnte möglicherweise aber auch drei Katastrophen der Stufe 7 diagnostizieren, wenn man jeden Reaktor einzeln betrachtet."

Die Atomindustrie und die internationale Atomenergiebehörde IAEO haben nach dem Atomunfall in Tschernobyl immer beteuert, dass ein so schwerer Störfall nicht in einem westlichen AKW geschehen kann. "Die gefährliche Selbstzufriedenheit der Atomlobby und der IAEO über Jahrzehnte hinweg hat uns zur äußersten Katastrophe für die Menschen in Japan geführt", sagt Heinz Smital.

Die INES-Skala wurde übrigens nie für einen derartigen Fall entwickelt, da die Atomindustrie und die IAEO ein solches Szenario als unmöglich erachteten. "Der Sinn der INES-Skala ist, die Menschen zeitnah über mögliche Bedrohungen radioaktiver Unfälle zu informieren. Daher ist es absolut unzureichend, wenn die Skala jeden Reaktor einzeln betrachtet und die Gesamtdosis aller Reaktoren außer Acht lässt", sagt Smital. "Diese ist aber letztlich für die Gesundheit der Menschen wesentlich."

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