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Mehrweg schützt das Klima
Magazin - Umwelt
Geschrieben von: Inca Vogt   

Kürzlich fachte der Film "Plastic Planet" eine Diskussion über unsere Plastikproduktion an. Doch was ist die Alternative? Die meisten Produkte wären ohne Kunststoffe überhaupt nicht in gewünschter Form realisierbar.

Andere Lösungsansätze sind längst da. Nur wer nutzt sie wirklich konsequent? Die Rede ist von sinnvollem Recycling, von Mehrwegverpackungen, die in einem Kreislauf immer wieder verwendbar sind. Haltbar, und ressourcenschonend, und wirtschaftlicher.

Anknüpfend an unsere Frage, warum tun wir nicht selbst etwas?, hier einige Hintergründe, über eine Kampagne mit dem Titel: Mehrweg ist Klimaschutz.

 

Einweg kontra Mehrweg

Mehr als 5.000 Getränkefachhändler wollen sich an der Kampagne "Mehrweg ist Klimaschutz" beteiligen. Der Leitgedanke der 5.000 teilnehmenden Partner ist einsichtig: Mehrwegflaschen schonen natürliche Ressourcen, vermeiden Verpackungsmüll und tragen wesentlich zu Klima- und Umweltschutz bei.

"Mit der Entscheidung für Mehrweggetränke vor allem von regionalen Abfüllern kann jeder Verbraucher an der Ladenkasse abstimmen - für den Klimaschutz, für eine unvermüllte Landschaft und für die Gesundheit", sagte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH). "Der Kinofilm 'Plastic Planet' hat erstmals eine breite
gesellschaftliche Diskussion über die Gefahren der zunehmenden Plastifizierung unserer Warenwelt und hier vor allem der zunehmenden Ausbreitung von Plastik-Wasser und Plastik-Brause ausgelöst."

Auch wirtschaftlich zahlten sich die Kreisläufe der Ressoucen aus. "Regionale Wirtschaftskreisläufe im Mehrwegsystem sichern bundesweit 170.000 Arbeitsplätze, die zudem nicht exportierbar sind", sagte Günther Guder, Geschäftsführender Vorstand des Bundesverbandes des Deutschen Getränkefachgroßhandels.

Doch was noch mehr zählt, ist der ökonomische Gewinn. "Mehrweg in regionalen Wirtschaftkreisläufen verursacht weniger Transporte und damit weniger CO2-Emissionen - der Griff zum Mehrwegkasten macht deswegen Sinn und wir unterstützen den Verbraucher in seiner klimafreundlichen Kaufentscheidung."

Einwegpfand zur Stabiliserung von Mehrwegsystemen?

Wir zahlen ihn bereits, den Einwegpfand für alle Verpackungen, die nur über den Hausmüll entsorgt werden können. Im Gespräch ist zusätzlich eine Lenkungsabgabe auf
Einweggetränkeverpackungen. Der Erlös soll in klimafreundliche Mehrwegsysteme investiert werden.  

Zu wenig, finden Fachleute. "Das Einwegpfand hat zur Stabilisierung des Mehrwegsystems beigetragen, wird aber langfristig allein nicht ausreichen", sagte Roland Demleitner, Geschäftsführer des Verbandes Private Brauereien Deutschland e.V. "Deshalb ist die zusätzliche Erhebung einer Lenkungsabgabe von mindestens 20 Cent auf ökologisch nachteilige Einweggetränkeverpackungen ein notwendiger Schritt der Mehrwegförderung."

Die Bevölkerung stehe hinter einer solchen Maßnahme, wie eine Mitte April 2010 veröffentlichte Forsa-Umfrage im Auftrag der Getränkekartonindustrie gezeigt habe. "80 Prozent der Deutschen befürworten eine Umweltabgabe für Einwegflaschen", sagte Demleitner. "Drei Viertel der Befragten können sich sogar vorstellen, dass Hersteller von umweltbelastenden Getränkeverpackungen eine solche Abgabe zusätzlich zum Pfand zahlen.

Demnach sind wir Verbraucher bereits viel weiter als große Teile der Politik, wenn es um die Schonung von Ressourcen und den Klimaschutz geht. Aber wir haben ein Problem, und der liegt in der mangelhaften Deklaration. Sogar sieben Jahre nach Einführung des Einwegpfandes können fast die Hälfte der Verbraucher umweltfreundliche Mehrwegflaschen nicht von bepfandeten Einwegflaschen unterscheiden.

"Kein Wunder", kritisiert Sepp Gail, Vorsitzender des Verbandes des Deutschen Getränke-Einzelhandels. "Verbraucher werden gezielt mit irreführenden Angaben auf den Einwegflaschen verwirrt. Nachdem sie jahrzehntelang gelernt haben, dass Pfand auch Mehrweg bedeutet, schreiben viele Einwegabfüller bewusst 'Pfandflasche' aufs Etikett."

Damit wir uns für die sinnvolle Mehrwegflasche entscheiden können, ist eine eindeutige Kennzeichnung von Einweg und Mehrweg notwendig. Die Allianz für Mehrweg begrüßt daher ausdrücklich die Empfehlung des bifa Umweltinstitutes, die Pfandpflicht auf alle Getränkebereiche auszuweiten. "Unsere Kunden haben kein Verständnis dafür, dass PET-Einwegflaschen einmal mit Pfand verkauft werden und einmal ohne, nur wenn ein anderer Inhalt in der scheinbar selben Flasche ist", sagte Gail.

Wie sollen wir die Unterschiede erkennen?

Resch warnte davor, das weltweit einzigartige Mehrwegsystem in Deutschland, die damit einhergehende Getränkevielfalt und eine mittelständisch geprägte Unternehmenskultur, den "Geschäftsinteressen weniger Getränkekonzerne und Plastikherstellern zu opfern". Mit immer niedrigeren Kampfpreisen für Wasser in Plastikflaschen überschwemmen vor allem Discounter die Getränkemärkte und verdrängen damit die überwiegend in Mehrweg abfüllenden, 180 regionalen Mineralbrunnen. Und wie nahezu jedes Jahr versucht die Einwegindustrie, ihre Wegwerfprodukte mit Studien
schönrechnen zu lassen.

Nachdem sich bereits die Dosenhersteller 2006 von einem für die Getränkeindustrie arbeitenden Institut haben bestätigen lassen, dass  Dosen so gut wie Mehrwegverpackungen seien, hat nun auch die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V. Einwegflaschen aus Kunststoff adeln lassen.

Einer kritischen Überprüfung halte die Ökobilanz der Plastikflaschen angeblich nicht stand. Um das zu verstehen, muss man etwas tiefer blicken. "In einer Getränke-Ökobilanz spielen die Annahmen und die Auswahl der zu vergleichenden Gebinde eine entscheidende Rolle", sagte Resch.

"In der vorliegenden Plastikflaschen-Ökobilanz wurden die leichtesten, mit 1,5 Liter größten Einwegflaschen aus der modernen Abfüll-Logistik mit den ältesten, nur 0,7 Liter großen Mehrwegperlenflaschen verglichen. Die Gewichte der Einwegflaschen seien gezielt schöngerechnet. Ausländische Mineralwässer in Einwegflaschen tauchen gar nicht auf, obwohl sie bei stillen Mineralwässern Marktführer sind und besonders viel Plastik enthalten. Ebenso werden Markenprodukte ignoriert - mit gutem Grund: Messungen der DUH zeigen, dass die Plastikflaschen um bis zu 40 Prozent schwerer sind, als in der Ökobilanz angenommen", sagte Resch.

Sowie es eindeutigere Kennzeichnungen gibt, die auch wir Konsumenten nachvollziehen können, berichten wir. Bis dahin hilft nur eins, zweimal hingucken beim Wasser, Limo oder Bierkauf. Auf das, was drumherum ist. Auf die Verpackung.

Das gilt übrigens auch für die erleseneren Flüssigprodukte. Für Edelwässerchen aus besonderen Quellen ebenso, wie für "frisch gepresstes" in Flaschen.


  

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