| Falsche Heilige und arme Gänse |
| Magazin - Gesellschaft | |||
| Geschrieben von: Inca Vogt | |||
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Hier ein paar Hintergründe zur langen, aber wahren Geschichte des "Heiligen" und zur kurzen Leidensgeschichte der Gänse, die nur den "Fehler" haben: Sie schnattern und haben wunderbare weiche Federn. Die Tradition geht zurück auf den "heiligen Martin", Schutzpatron Frankreichs und Patron der Gänsezucht, der im 4. Jh.n.Chr. einem Bettler am Stadttor von Amiens seinen halben Mantel geschenkt haben soll. Warum aber werden die Tiere am Feiertag zu Ehren dieses Mannes in den Ofen geschoben? Der Volksmund bringt es in einem Satz auf den Punkt: "Die Gänse Sankt Martin haben verraten, drum tut man sie jetzt braten." Nach der Legende wollte Martin keinesfalls Bischof von Tours werden, sondern lieber ein bescheidener Mönch bleiben und versteckte sich daher in einem Gänsestall. Doch die Gänse machten den üblichen Lärm und haben Martin so verraten... Der "hl. Martin" von Tours war dann allerdings als Bischof keineswegs mehr so "bescheiden", wie das die Legende behauptet, hat er doch dann 20.000 Sklaven gehalten! Berühmt wurde er durch eine Reihe von mehr als zweifelhaften "Wundern" (siehe "Kriminalgeschichte des Christentums" von Karl Heinz Deschner). Zudem war er einer der erbittertsten Heidenbekämpfer im frühen Christentum: Trotz heftigen Widerstands der Bauern riß er mit Hilfe einer Mönchshorde die Tempel nieder, stürzte Druidensteine und "zertrat mit den Füßen die Altäre und die Götterbilder" (Sulpicius Severus). Als Schutzpatron der Franzosen tragen noch heute 425 Dörfer Frankreichs seinen Namen, den Namen eines Brandstifters und Diebes, der sämtliche antiken Tempel niederriß und zu dessen "Ehrung" jährlich Millionen Gänse umgebracht werden... U.a. wegen dieses "Heiligen" landen ca. 2 Millionen Gänse jedes Jahr auf den Tellern der österreichischen bzw. deutschen "Feinschmecker". Wenige Menschen wollen aber wissen, welches Schicksal die Gänse bis zu diesem Zeitpunkt erleiden mußten. Denn das Leben einer Mastgans ist alles andere als romantisch: Die meiste Zeit ihres gerade mal 84 Tage dauernden "Lebens" verbringen sie bei Kunstlicht in viel zu engen Drahtkäfigen oder dicht gedrängt am verschmutzten Boden und werden gemästet, um möglichst schnell Gewicht zuzulegen. Ungarn, Polen und Frankreich sind die Hauptlieferanten für diese zweifelhafte "Delikatesse", weil die heimische Produktion die Nachfrage gar nicht decken kann. Nicht einmal 20 % davon stammen noch aus heimischen Betrieben. Besonders die hierzulande sehr begehrten "Martinigansln" bestehen somit meist aus dem Fleisch der vormals massiv gequälten Tiere in den ungarischen Stopfleberfabriken. Denn das Fleisch in unseren Supermärkten kann wegen Fehlens von entsprechenden Herkunftsnachweisen nicht mehr als solches identifiziert werden. Gänse und DaunenbettenAber auch das Lebendrupfen der Gänse wird in diesen Ländern noch immer praktiziert. Bis zu vier Mal im Jahr werden den Tieren bei lebendigem Leib und unter starken körperlichen und seelischen Qualen die Federn ausgerissen. Oft werden die Tiere dabei noch zusätzlich verletzt. Den Arbeitern sind die Tiere völlig egal, es geht um das schnelle Geld und das wird im Akkord pro gerupfter Gans bezahlt. Leider gibt es kein Gütesiegel, das darüber Auskunft gibt, ob es sich um einen grausamen Lebendrupf oder einen Tod-Rupf, bei dem die Tiere dann zumindest keine Schmerzen erleiden müssen, handelt. Selbst wenn man ein Etikett mit "Tod-Rupf" entdeckt, heißt das noch nicht, daß die Gans nicht schon ihr ganzes Leben lang gerupft wurde. Daher sollte man in Zukunft ganz auf Daunenprodukte verzichten! Bitte auf Tierqual-Produkte verzichten!
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Am 11. November wird das Fest des "Heiligen Martin" gefeiert. Und wieder müssen arme Gänse dafür ihr Leben lassen. Der sogenannte Schutzpatron wurde einst durch ihr Schnattern verraten und seither "rächt" man sich mit Messer, Gabel und brutalsten Zucht- und Killermethoden an den "Martinsganserln". Zu "Ehren" eines Heiligen, der sich zu Lebzeiten auch als Brandstifter, Sklavenhalter und Heidenbekämpfer einen Nachruf verdient hat.
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