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Bequeme Klimarezepte gibt es nicht
Magazin - Gesellschaft
Geschrieben von: Inca Vogt   
Bio-Äpfel kaufen genügt nicht, um den Klimawandel effektiv zu stoppen, behauptet Buchautor Marcel Hänngi. Damit erteilt der Autor von "Wir Klimaschwätzer im Treibhaus" allen bequemen und offensichtlichen Rezepten für den Klimaschutz eine Absage.
Marcel Hänggi, Autor von "Wir Klimaschwätzer im Treibhaus" (Foto: Andrea Ganz)

Vom Technoptimismus hält der Autor rein gar nichts, denn der Umstieg auf neue Autos, TV-Geräte und Glühbirnen werde eine globale Änderung nicht herbeiführen. Das Beispiel einer norddeutschen Stadt, die die Weihnachtsbeleuchtung auf LED umgestellt hat, sei typisch. "Die Verantwortlichen haben sich wegen der Energieeinsparung dafür entschieden, ab sofort die Beleuchtung den ganzen Winter einzuschalten."

"Das erste Massenauto, der Ford-T, hat auf 100 Kilometer rund elf Liter Treibstoff verbraucht. Ein moderner Geländewagen verbraucht ebenso viel", so Hänggi. Anhand solcher Beispiele sehe man, dass das Verhältnis nicht stimme. "Daher leisten solche ökologischen Effizienzsteigerungen keinen Beitrag zum Klimaschutz", kommt der Autor zum Schluss. Was populär mit der Formel "Menge frisst Effizienz" bezeichnet wird, bezeichnet Hänggi als "Rebound-Effekt".

Internationale Abkommen sollten beim Angebot ansetzen

Die einzige Lösung für einen effektiven Klimaschutz sind internationale Abkommen, die über das Angebot laufen, kommt der Autor zum Schluss. Bisher werde fast nur über die Nachfrage gesteuert. "Es dürfen nur mehr so viele fossile Brennstoffe importiert werden, wie ein bestimmtes Land verbrauchen soll." Damit erreiche man eine verbindliche Verbrauchsreduktion. "Das wird ja bereits beim Emissionshandel auf EU-Ebene gemacht", so Hänggi. Das einzige Problem dabei sei die Intransparenz des Systems, obwohl der Ansatz völlig korrekt sei.

Leichte Lösungen gebe es nicht, einfache jedoch schon, kommt der Experte zum Schluss. Die von Al-Gore vorgeschlagenen Lösungen, die im Prinzip am Status quo festhalten, und den Menschen glauben machen, dass sie ihren Lebensstil nicht ändern müssen, seien dazu nicht in der Lage. "Wir müssen unseren materiellen Lebensstandard gemessen am Energieverbrauch herunterfahren", so Hänggi. Dazu gehöre eine Einschränkung bei Flugreisen, bei der Ernährung, beim Kauf und der Nutzung eines Autos.

Nur Vorausplanung kann Chaos verhindern

Hänggi betont, dass eine sinnvolle Vorausplanung bei der Erreichung von Klimazielen eine große Chance sei. "Wenn wir diese Chance nicht nutzen, wird es zu chaotischen Zuständen kommen", so der Journalist. "Wenn der Ölpreis die 150 Dollar-Marke erreicht oder sogar überschreitet, werden wir automatisch zum Verzicht gezwungen." Dass die Zeiten des billigen Öls bald vorbei sein werden, davon sei auszugehen. "Es ist allerdings immer noch genug vorhanden, um große Schäden an der Umwelt anzurichten."

Comments

avatar Rüdiger B.
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klar, und wenn ausländische Erzeugnisse billiger sind als hiesige, werden sie auch stärker konsumiert. Die Schraube muss schon stets an beiden Seiten gedreht werden. Einmal bei Herstellung nach nachhaltigen Gesichtspunkten, zum anderen bei den/dem Verbraucher. Bequem ist das nicht, aber wohl unsere einzige Chance.

Schwierig, in einer Gesellschaft, in der immer noch das Ego stärker zählt, als das Nach-Denken über Folgen unseres "falschen" Konsums bei den Verbrauchern. Das betrifft auch auf der anderen Seite den Profit und die Konkurrenzfähigkeit bei den Anbietern. Da müssten andere Anreize gestärkt werden.
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