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Brot statt Böller?
Magazin - Gesellschaft
Geschrieben von: Inca Vogt   

Wenn es nur so einfach wäre, den Hungernden Hilfe zukommen zu lassen! Die Wahrheit scheint wesentlich komplexer. Die eingesparten Euro für die Böller gelangen nur bei richtiger "Spende" auch wirklich da, wo die Not groß ist. Den dauerhaften Hunger hingegen stillen sie nur, wenn auch die Randbedingungen der Agrarpolitik gründlich reformiert werden.

Lustfeindlichkeit und schlechtes Gewissen helfen nicht gegen Hunger,  verkündet die "Aktion 3.Welt Saar" und fordert den Appell 'Brot statt Böller' einzustellen.

"Der Aufruf trägt eine gehörige Portion Lustfeindlichkeit zur Schau. Mit seinem Appell an das schlechte Gewissen richtet er zudem politischen Flurschaden an", so Roland Röder, Geschäftsführer der "Aktion 3.Welt Saar". Der unterstellte Zusammenhang zwischen dem Sylvesterfeuerwerk sowie Hunger und Armut in der Welt ist beliebig gewählt und existiert nicht.

Ebenso gut könnte man dazu aufrufen, keine Weihnachtsbäume und Bücher zu kaufen oder Fußball-Hallenturniere ausfallen zu lassen. "Der Einsatz für Gerechtigkeit und Solidarität führt ins Leere, wenn er mit einer Leidensmine und dem moralischen Zeigefinger einher geht", so Röder. Zum Wesen des Menschen gehört in allen Kulturen das Feiern, der Rausch, die Verausgabung - für manche eben auch die Freude am Sylvesterfeuerwerk. Dass Menschen hungern, obwohl genügend Nahrungsmittel vorhanden sind, liegt an der Verteilung und an der Verwendung von Nahrungsmitteln als Viehfutter. Denn Hunger ist kein Schicksal, sondern wird gemacht.

Um Hunger zu bekämpfen schlägt der aktuelle Weltagrarbericht eine andere Agrarpolitik vor. Dazu gehört die Abkehr von der viel gepriesenen Liberalisierung des Welthandels und von der Vorrangpolitik für Gentechnik.

Stattdessen muss weltweit die bäuerliche Landwirtschaft den Vorzug vor der industriellen Landwirtschaft bekommen. Neuerdings konkurriert der Anbau "nachwachsender Rohstoffe" in der 3.Welt für den Bioboom in Europa mit dem Anbau von Nahrungsmitteln. So werden für die Anlage von Palmölplantagen in Indonesien großflächig Regenwald gerodet und Menschen vertrieben. Das Palmöl wird in Palmölkraftwerken in Europa verbrannt.

Umgekehrt sorgen subventionierte Agrarexporte aus Europa - vor allem Milch und Fleisch - dafür, dass Märkte in der 3.Welt zusammenbrechen, bäuerliche Existenzen vernichtet werden und Menschen verhungern.

Es gibt wohl keine einfachen Wahrheiten. Nur wenn man die Zusammenhänge jeweils genau betrachtet, können Lösungen gefunden werden und greifen. Im Umkehrschluss heißt das aber auch nicht, macht einfach weiter wie bisher, wir können ja doch nichts ändern. Im Gegenteil. Ein paar Böller weniger und ein paar Euro mehr, die zum Beispiel direkt dahin fließen, wo Not herrscht, verbreitet die Freude etwas gleichmäßiger.

Ob unsere Spende an das nächstgelegene Tierheim an die Tafel oder dahin geht, wo zum Beispiel "VOX Schule" macht, mag jeder selbst entscheiden.

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