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Saubere Kleidung. Ein Menschenrecht
Magazin - Fashion
Geschrieben von: Inca Vogt   

Trendshirts für 5 Euro! Das neue Pulloverkleid im angesagten Rippenstrick für nur 9,95 Euro. Schuhe am laufenden Meter das Paar für gerade mal 20 Euro und obendrauf noch Socken im Dutzend für insgesamt 10 Euro.

Inzwischen boomen die Billigmarken allerorten. Mit immer neuen Outlets in Stadt und Land. Und die Verbraucher spalten sich in drei Lager. Auf der einen Seite die wachsende Schnäppchenjägergeneration. Hauptsache viel und günstig. Auf der anderen Seite Luxusshopper, denen kein Preis zu hoch scheint. Hauptsache das Image stimmt. Die dritte Gruppe sind "nervende" Verbraucher wie du und ich.

Wir wollen wissen ob die Kleidung sauber ist. Gefertigt aus unbelasteten Materialien. Hergestellt in Produktionsstätten mit menschenwürdigen Arbeitsbedingungen. Doch letzteres ist am schwersten nachprüfbar. Viele Zulieferbetriebe in Schwellenländern produzieren nicht nur günstiger weil dort die Lebenshaltungskosten geringer sind. Sie produzieren auch billig, weil sie Arbeiter ausbeuten, bis hin zur Sklaverei und Kinderarbeit.

 

Im Rahmen der Kampagne für Saubere Kleidung, informiert Clean Clothes Campaign über Rechercheergebnisse in Zulieferbetrieben. Die CCC befragtedie Outdoor-Firmen zu ihrem sozialen Engagement bei der Herstellung von Produkten und veröffentlichte deren Profile zu folgenden Kategorien: Transparenz, Verhaltenskodex, Kodexumsetzung und Kontrolle. Kampagne für Saubere Kleidung - Clean Clothes Campaign informiert über Rechercheergebnisse in Zulieferbetrieben.

 

Vietnam, attraktives Zulieferland in Asien 


Für internationale Investoren gilt Vietnam als Land der Niedrigkosten. Die Lohnkosten sind im Vergleich zu Produktionsstandorten in China etwa um das Zwei- bis Dreifache niedriger. Vietnam mit seinen ca. 1,6 Millionen Beschäftigten in der Textil- und Bekleidungsindustrie gilt auch für die Outdoor-Branche als attraktive Niedrigkosten Produktionsstandort in dem auch die Gewerkschaft keinen großen Ärger bereitet. Erreicht wird das durch exzessive Überstunden und minimales Einkommen bei den ArbeiterInnen.

Partner der CCC interviewten ArbeiterInnen bei Vaude, Columbia und Tatonka Zulieferbetrieben. Die Befragten berichten, dass der staatlich avisierte Mindestlohn von 38 Euro nur bei durchgehender Arbeit und Überstunden in einer sechs Tagewoche erreicht wird. In der Textilindustrie werden bei offiziell erlaubten 48 Stunden die Woche durchschnittlich vier Überstunden über die gesetzlich zugelassene Anzahl pro Tag geleistet. " Die Überstunden liegen meistens zwischen 18.00 und 22.00 Uhr. Mindestens aller zwei Monate ist auch sonntags zu arbeiten. Dann geht es durch bis nächsten Tag Mittag." Festgestellt wurde auch, dass die Mehrarbeit  nur einen Tag vorher bekannt gegeben wird. 

"Sollten wir uns verspäten, dann wird uns der Lohn eines ganzen Tages gestrichen und wir verlieren alle zusätzlichen Boni zum Lohn." In diesen Phasen werden "immer wieder zusätzlich befristete Zeitarbeiter beschäftigt. Für diese wird keine Sozialversicherung gezahlt." wurde berichtet.

Keine der Befragten konnte beantworten, in welcher Höhe ihnen der Lohn zu steht. Fast einstimmig wurde dagegen geäußert: Eins ist sicher, selbst mit umgerechnet etwa 46 Euro bei Normerfüllung, ist kein Auskommen möglich. "Es ist schwierig damit klar zu kommen. Es reicht für einige Schüsseln Fleisch oder Gemüse." Eine andere junge Arbeiterin meint: "Was wir hart verdienen, reicht gerade so."

Alle der befragten Personen teilen sich mit drei bis fünf Personen eine Unterkunft, um die Kosten decken zu können. Gängige Praxis scheint auch, dass mindestens die Hälfte des ersten Lohns der Arbeiter vom Management einbehalten bleibt, "damit die Arbeiter nicht einfach fortbleiben können". Davon berichtete ein Gesprächspartner der Tatonka eigenen Produktionsstätte. ArbeiterInnen von anderen Fabriken sagten dazu: "Manche bleiben trotzdem einfach fort, da die Fabrik sie krank gemacht hat."

 

 

 

 

 

Kein Recht auf Rechte und Menschenwürde?

"Wird mal ein Einzelner nicht beschimpft, dann bestimmt alle zusammen. Sie tun dies, weil sie denken sie haben das Recht dazu, da sie der Boss sind." Wegen des Unmuts kommt es immer wieder zu spontanen Protesten. Im März 2010 fühlten sich Arbeiter bei einem Zulieferer für Vaude und Columbia aufgrund des niedrigen Lohns unfair behandelt. Nach 29 Tagen Arbeit im Monat plus Überstunden bekam diese umgerechnet etwa 60 Euro ausgezahlt. 

Von der offiziellen Gewerkschaft fühlten sie sich nicht vertreten, da nur "gute Arbeiter" durch das Management für diese ausgewählt werden. Häufiger kommt es zu so genannten wilden Streiks. Seit 2006 ist die Anzahl in Vietnam auf etwa 400 im Jahr gestiegen. Dies bestätigt auch die Internationale Arbeitsorganisation (ILO). 
Der sozialen Spannung wird seitens der Regierung versucht zu begegnen. Für Exportzentren mit ausländischen Investitionen wie in Hanoi und Ho Chi Minh City avisierte die Regierung seit 2009 einen Mindestlohn von 38 Euro. Diese erste Erhöhung um 28 Prozent seit sechs Jahren ist ein Zugeständnis an die Beschäftigten anlässlich derStreiks und aufgrund von gestiegenen Lebenshaltungskosten und extremen Überstunden.

"Arbeit in Würde und einen Lohn, von dem der Mensch leben kann, müssen bei einer Branche mit diesem Nachhaltigkeitsimage Selbstverständlichkeit sein.", sagt Berndt Hinzmann von INKOTA. Nur wenn Sozialstandards in der Einkaufspraxis Eingang finden, kann glaubwürdig von Nachhaltigkeit gesprochen werden.", sagt Julia Thimm, Koordinatorin von Eilaktionen der Kampagne für Saubere Kleidung.

 

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