| Vegetarier und die Toleranz |
| Magazin - Essen + Trinken | |||
| Geschrieben von: Inca Vogt | |||
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Doch wenn ich an diesen scheinbar "glücklichen" Tieren vorbei spaziere, sehe ich auch, dass die Gänseschar schrumpft. Ich zähle nach und möchte die restlichen Schnatterbrüder und Schwestern freikaufen und retten vor dem allzu klaren Ende. Auf dem Tisch. Auf Tellern, die achtlos leergeputzt werden von uns Fleischgenießern. Dabei frage ich mich, geht es mir alleine so? Eine Folge der vegetarischen Ernährung, die meine Sinne schmerzhaft verfeinert? Oder ist es das bewusste Hingucken, auf Nutztiere, denen ich in meinem früheren Stadtleben nie begegnet bin? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass mich diese Empfindungen von vielen gesellschaftlichen Festivitäten ausschließen. Sogar die familiären Festessen werden zum Tabu. Vegetarier gelten als Sonderlinge, als Spaß- und Genussverderber... Also übe ich mich in Toleranz gegenüber allen, die weder auf den Festtagsbraten, noch auf Steak, Schnitzel oder Hühnchen verzichten wollen. Mit einer intoleranten Enschränkung: Wenn schon Fleischesser, dann bitte nur Tiere verzehren, die wenigstens ein tiergerechtes Leben und Sterben hinter sich haben. Toleranz und das Schnitzel auf dem Teller Meine Toleranz ist groß. Intoleranz gegenüber Mitgeschöpfen hingegen verursacht mir Übelkeit und bringt mich auf die Barrikaden. Das betrifft anders denkende und anders aussehende Menschen ebenso wie Tiere. Deshalb möchte ich in diesem Artikel nicht einfach nur erklären, was man unter "artgerechter Tierhaltung versteht". Ich möchte auch kritisch hinterfragen, was ist eigentlich artgerecht? Oder um im Thema zu bleiben, welche Art von Tierhaltung ist tolerierbar? Nach üblichen Maßstäben versteht man unter artgerechter Tierhaltung eine möglichst an den ursprünglichen Verhaltensweisen und Lebensraumbedingungen der domestizierten Tiere orientierte Form der Tierhaltung. Ganz persönlich brökelt schon bei dieser Auslegung meine "Toleranz" gegenüber allen, die das für ausreichend halten. Ich frage mich, wer gibt uns das Recht, Tiere so zu "halten", dass sie uns völlig ausgeliefert sind? Im Guten, wie am unrühmlichen, blutigen Ende. Haustiere, Schmusetiere, "Nutztiere" Jeder, der ein Haustier als Kumpel und Freund adoptiert, weiß, das Tiere Gefühle haben. Das sie Charakter und Eigenheiten haben, die einzigartig sind. Tiere sind Individuen, wie du und ich. Oft treuer und verlässlicher als manche Menschen, mit denen wir zuweilen leben. Dabei haben unsere Haus- und Schmusetiere einen einzigartigen Vorteil gegenüber den Kreaturen, die wir als Nutztiere abwerten. Wir achten sie und nehmen sie als Individuen wahr. Dieses Privileg haben auch die glücklicheren Tierherden auf den Weiden kaum. Ihre Artgenossen in Maststationen hingegen niemals. Die Haltung von Nutztieren ist immer nur ein fauler Kompromiss zwischen den Bedürfnissen der Tiere und den (wirtschaftlichen) Anforderungen von uns Menschen. Wir Konsumenten entscheiden über Tierleid oder artgerechte Haltung Noch dramatischer für die Tiere ist die sogenannte konventionelle Haltung. Sie unterliegt rein wirtschaftlichen Gesetzmässigkeiten. Gründe dafür gibt es viele. Ganz oben auf der Liste stehen die höheren Kosten für artgerechte Haltung. Teure Umbaumaßnahmen oder Neubauten kosten Geld, das wir Verbraucher selten bereit sind zu zahlen. Das billige Schnitzel scheint wichtiger zu sein als eine den Sozialbeziehungen der Tiere angepaßte Größe der Gruppen, das ausreichende Platzangebot pro Tier sowie die Gelegenheit zum Auslauf mit getrennten Lebensbereichen zum Fressen, Liegen und Koten. Wer macht sich schon Gedanken darüber, wenn es darum geht, immer günstiger und mehr zu konsumieren, statt den gerechten Aufpreis für artgerechte Tierhaltung zu zahlen? Der Andrang an der Fleischtheke steht und fällt nun einmal mit Sonderangeboten. Und Sonderangebote sind kaum möglich, wenn man den sogenannten Nutztieren ein optimales Stallklima, eine artgerechte Fütterung und ein "tierwürdiges" Schlachten bietet. Denn das kostet Geld. Unser Geld. Wir sind was wir essen Auch für uns selbst ist es wichtig, nur Tiere aus artgerechter Haltung zu essen. Denn alles was dem Tier widerfährt, hinterlässt Spuren im Fleisch. Abgesehen von offensichtlichen Erkrankungen der Nutztiere, hinterlassen auch psychische Schäden ihre Spuren. Angst, Streß, dumpfes Dahinsiechen zeigen Auswirkungen. Gipfelnd in der traumatischen Situation einer oft tierunwürdigen Schlachtung, in der noch einmal riesige Mengen an Streß und panischer Todesangst an die Zellen abgegeben werden. Mir haben solche Berichte schon vor Jahren den Appetit auf Gebratenes, Gesottenes vom Tier nachhaltig verdorben. Wie nachhaltig, das erlebe ich hier auf dem Land noch weit mehr als in den Großstädten, in denen ich früher lebte. Denn hier habe ich sie vor mir, die lebendigen Kühe, Kälbchen, Gänse, Hühner und Pferde. Und ich fühle Schmerz, wenn verräterische Ohrmarken schon die süßen Kälbchen als Schlachttiere kennzeichnen, die einst als Schnitzel enden sollen. Aber ich sagte ja, ich übe mich in Toleranz. Deshalb mag jeder selbst entscheiden, wo seine persönliche Grenze zwischen Fleischgenuß und Tierschutz liegt. Im erträglichen Fall, empfehle ich den Fleischkonsum so einzuschränken, dass er weder zur eigenen Verfettung und Lebensverkürzung führt, noch das Tierelend ungestoppt fördert. Im besten Fall mache ich ganz viel Platz auf meinem viel zu einsamen, ungeselligen Podest und oute mich als Genußbremse. Mit beispielhaften Cholesterinwerten. Mit nahezu idealem Gewicht. Mit einer Diabetes, die sich dank vegetarischer Ernährung seit Jahren innerhalb normaler Werte eingependelt hat. Ohne Medikamente. Von meinem verfeinerten Geschmacksempfinden für alles, was vollwertig und knackig ist erzähle ich ein anderes Mal;-) Denn jetzt gehe ich Schäfchen zählen, die auf der Winterweide hoffentlich nur ihr kuscheliges Woll-Fell für Gestricktes und Gewebtes hergeben müssen. Im nächsten Frühjahr.
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Wenn ich aus meinen Fenstern schaue, sehe ich weite Wälder, bestellte Felder und Weiden, auf denen Kühe im Familienverbund fröhlich vor sich hin dösen. Ich sehe niedliche Kälbchen, die übermütig wie junge Hunde durch Gras hüpfen und sich verträumt dösend zum Verdauungsschläfchen neben ihre Mütter kuscheln. Eine Idylle, die sich fortsetzt bis hin zum Rotwild in geschützten Waldzonen. Auf Wanderungen sehe ich Ziegen und Schafherden und im Dorf leben ganze Gänsescharen und Hühner, die in der Früh ihr eigenes Konzert geben.
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