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Oscar für Delfin-Thriller
Magazin - Natur
Geschrieben von: Inca Vogt   
Montag, den 08. März 2010 um 10:59 Uhr

In der Nacht zum 08. März 2010 hat die "Academy of Motion Picture Arts and Sciences" den Doku-Thriller "DIE BUCHT" mit dem Oscar für den "Besten Dokumentarfilm" ausgezeichnet.

Nicht nur Regisseur Louie Psihoyos und Hauptdarsteller und ehemaliger Delfintrainer Ric O'Barry stehen jetzt im Rampenlicht, sondern mit ihnen auch das dunkle Geheimnis jener Bucht im japanischen Fischerort Taiji. 

Viele Japaner haben durch den Ökothriller "DIE BUCHT" zum ersten Mal von der brutalen Delfinjagd in ihrem Land und der hochgradigen Vergiftung des Delfinfleisches erfahren.

"DIE BUCHT" deckt schonungslos auf, wie die weltweite Delfinarienindustrie mit den alljährlichen Treibjagden im japanischen Fischerort Taiji verflochten ist. Dieser brutalen Praktik fallen jedes Jahr rund zweitausend Delfine zum Opfer. Mehr dazu auf Weiterlesen klicken... 

Die Oscar-Preisverleihung ist in Japan die meist gesehene Fernsehsendung. Die Tierschutzverbände WDCS, Pro Wildlife und OceanCare - offizielle Partner von "DIE BUCHT" - hoffen daher, dass die japanische Regierung durch die Auszeichnung des Films mit einem Oscar nun noch stärker unter Druck gerät.

"Die Verleihung des Oscars für den besten Dokumentarfilm an DIE BUCHT ist nicht nur Auszeichnung, sondern auch ein Appell! Ein Appell für einen anderen Umgang mit Delfinen", sagt Nicolas Entrup, Sprecher der WDCS in Deutschland und fügt hinzu: "Die Hoffnung auf Veränderungen in Japan und auch in anderen Regionen dieser Welt, den Fang und die Tötung von Delfinen zu stoppen, bleibt bislang leider noch eine Vision."

Angesichts solcher Meldungen mag man einerseits froh sein, dass die Öffentlichkeit wieder einmal aufwacht, aber nutzt das wirklich? Wie lange hält der Schocker an? Bis zum nächsten Restaurantbesuch bei den Japanern? Bis zur nächsten Horrormeldung bei uns, die wieder alles übertüncht? Bis zum nächsten Besuch in einem Delfinarium, in dem die scheinbar immer lächelnden Tiere sich tummeln?

Schwer zu glauben, wenn man schon einen Tag nach der Oscarverleihung liest, dass Japan gegen die verdiente Auszeichnungen von "The Cove", zu Deutsch: Die Bucht, prostestiert.

Bild aus der preisgekrönten Dokumentation "The Cove" (Foto: thecovemovie.com)

In Japan hat der Film zu heftigen Kontroversen geführt. Der Bürgermeister von Taiji, Kazutaka Sangen, protestierte gegen die Prämierung des Films.

Doch was ist der eigentliche Anstoß der Kritik?


"Im Film, der zum Teil under-cover gedreht wurde, wird geschildert, was sich rund um den Wal- und Delfinfang in Japan abspielt", so Nicolas Entrup von der Whale & Dolphin Conservation Society http://www.wdcs.org.

"Das Filmteam hat peinlichst genau recherchiert und nicht nur die brutalen Szenen der Delfinschlachtung thematisiert, sondern den gesamten Apparat, der dahinter steckt und das ganze deckt."

Verdeckte Recherchen

"Der sogenannte Kleinwalfang ist brutal, denn eine ganze Schule Delfine wird in eine Bucht getrieben, die dann nach außen hin abgeriegelt wird", schildert Meeresbiologin Antje Helms von Greenpeace http://www.greenpeace.at die Situation. "Die eigentliche Grund der Jagd ist der lebende Fang von einzelnen Delfinen für Delfinarien. Doch dabei werden die anderen Tiere der Gruppe sozusagen als Beifang mitgetötet und als Nahrungsmittel verkauft", ergänzt Entrup.

"Der gesamte Kleinwalfang geschieht unter höchster Diskretion. Großräumig wird alles abgeriegelt und abgeschottet. Foto- oder Filmaufnahmen sind streng verboten", erzählt Entrup. "Die breite Öffentlichkeit ist - auch in den Großstädten Japans - kaum informiert darüber, dass es solche Delfin- und Waljagden überhaupt gibt." Mit hohem persönlichem Aufwand hat Regisseur Louie Psihoyos und sein Team den Film gedreht.

Prominente Unterstützung für Aufführung

Der US-Schauspieler Ben Stiller hat sich im Herbst 2009 dafür eingesetzt, dass der Film beim Tokio Film Festival vorgeführt wird. In der Zwischenzeit gibt es auch einen Vertrieb in Japan, so Entrup. Im Laufe des Jahres soll der Film dann in einer leicht modizifizierten Version in anderen japanischen Städten gezeigt werden, berichtet BBC-Online.

Die Bevölkerung von Taiji verteidigt sich damit, dass sie diese Kleinwaljagd seit Dekaden durchführen. Bürgermeister Sangen erklärte, dass es schade sei, dass der Film Fakten präsentiere, die nicht wissenschaftlich gedeckt wären. Waljagd sei in Japan legal und diese Tradition müsse aus Respekt vor anderen Kulturen toleriert werden. Umweltschützer kritisieren seit Jahren die Scheinargumente, mit denen Japan seinen Wal- und Delfinfang verteidigt.

Besser informierte Öffentlichkeit hilft in der Sache

"Ein großer Verdienst des Filmerfolgs ist die bessere Information der Öffentlichkeit", so Entrup. "Als ein internationales TV-Team nach Taiji reiste, wurde die Treibjagd im Meer einfach ausgesetzt und nachdem der öffentliche Blickwinkel nicht mehr dorthin gerichtet war, sofort wieder aufgenommen", schildert der Experte. "Mit der Auszeichnung des Filmes rückt die Problematik der Delfinarien übrigens auch wieder ins Rampenlicht."

Experten wie Entrup und Helms sind sich einig darüber, dass Meeressäuger in Gefangenschaft hohen Stressfaktoren ausgesetzt sind und sich daher nicht als "Showtiere" eignen. "Diese Tiere verfügen über ein sehr differenziertes Sozialverhalten und einen hohen Grad an Bewegungsdrang. Daher überleben viele in Gefangenschaft nicht sehr lange", so Helms.

Weitere Informationen über die deutschsprachige Website des Films "Die Bucht" http://www.diebucht-derfilm.de.

 

 

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