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Palmöl. Umstritten, versteckt, verkannt
Glossar - P
Geschrieben von: Inca Vogt   

Palmöl wird gewonnen aus den ölhaltigen Steinfrüchten der Ölpalme. Doch was sich so simpel liest, ist ein hochkomplexes wie sensibles Thema, von dem die Verbraucher wenig wissen. Ja, wir ahnen nicht einmal, in welchen Produkten sich Palmöl versteckt. Aus kritischen wie aus nachhaltigen Quellen.

Hier die wichtigsten Unterscheidungen und worauf man beim Konsum achten sollte.

Wo steckt Palmöl drin?

In vielen pflanzlichen Fetten steckt Palmöl drin. Die Deklaration verrät es uns nicht, wir lesen nur "pflanzliche Fette". Und so schieben wir das Einkaufswägelchen weiterhin mit gutem Gewissen zur Kasse. Pflanzlich klingt ja unbedenklich bis gesund. Für Körper und Umwelt.

Die Wahrheit ist eine andere. Und die beginnt beim Ursprung des kostbaren Öls und endet bei den Massen, die tatsächlich verarbeitet werden.

Was kaum jemand ahnt: Nicht nur in Biodiesel steckt Palmöl drin. Palmöl ist auch ein wichtiger Rohstoff für die Produktion von Margarine, Schokolade, Shampoo und Pizza oder anderen Fertigbackwaren. Auch Kosmetika und Reinigungsmittel enthalten Palmöl.

Zwar stecken in den einzelnen Produkten nur kleine Mengen. Doch insgesamt kommen 28 Millionen Tonnen jährlich zusammen. Mit schlimmen Folgen für die Umwelt. Denn für  den Anbau von Palmöl wird Regenwald zerstört, vor allem in Indonesien und in Malaysia. Dadurch leidet auch das Weltklima. Denn dort, wo Regenwald abgeholzt wird, gelangt CO² in die Atmosphäre, was sich auf den Klimawandel auswirkt.

Der WWF fordert daher, das Palmöl in Zukunft umweltschonender herzustellen. Das ist möglich, wenn man Ölpalmen nur auf Brachflächen anbaut und aufhört, den unersetzlichen Regenwald weiter abzuholzen. Und diese Alternative gibt es bereits auf dem Markt. Als "Ladenhüter" mangels Nachfrage. 
 

Nachhaltiges Palmöl findet wenig Abnehmer
 
Die meisten Unternehmen, die in Europa Palmöl nutzen, kaufen kein umweltverträgliches Palmöl, obwohl dieses in großen Mengen vorhanden wäre. Von Europas 59 größten Palmöl-Abnehmern verfolgt derzeit nur jeder zehnte eine ökologisch verträgliche Einkaufspolitik in Sachen Palmöl. 

Die Unterschiede: Einen wesentlichen Unterschied macht es, ob Palmöl nach Umweltkriterien hergestellt wurde oder nicht. In den Hauptproduktionsländern Indonesien und Malaysia werden wegen der hohen Nachfrage für Palmöl ständig aufs Neue weite Flächen des Regenwaldes für Plantagen zerstört und Feuchtgebiete trockengelegt, was das soziale Gefüge der Anrainer wie auch die Artenvielfalt bedroht. Umweltschädigend ist dabei auch der massive Pestizid- und Kunstdüngereinsatz und die illegale Verbrennung zurückbleibender Holzreste.

Ohne derartige schädliche Folgen kommt sozial- und umweltverträgliches Palmöl aus, von dem seit dessen Zertifizierung im November 2008 weltweit eine Mio. Tonnen erzeugt wurden. Verkauft wurde davon aber noch nicht einmal ein Fünftel. "Die Nachfrage ist gering, weshalb sich auch der Anreiz für die Hersteller in Grenzen hält. Es gilt daher, die Verarbeiter aufzurütteln und mitzuteilen, dass es diese Alternative gibt", so Petersen. Der Preis des nachhaltigen Palmöls liegt etwa fünf bis acht Prozent über demjenigen von nicht-zertifiziertem Palmöl.

Zehn europäische Unternehmen haben im Ranking drei Palmen für Strategien in Richtung nachhaltiges Palmöl bekommen, wobei mit Ausnahme von Migros und Coop (Schweiz) und L'Oreal (Frankreich) nur britische Unternehmen vertreten sind. Knapp die Top-10 verfehlt hat die deutsche Henkel, die mit der Produktreihe "Terra Activ" ein gutes Beispiel gibt.

 

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