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Aerosol
Glossar - A
Geschrieben von: Inca Vogt   
Aerosol ist ein Stoffgemisch, bestehend aus einem gasförmigen Stoff und flüssigen oder festen, feinverteilten Bestandteilen, sogenannten Schwebstoffen.

Flüssige Schwebstoffe werden als Nebel klassifiziert. Feste Schwebstoffe bezeichnet man als Stäube (abgeleitet von Staub) oder Rauch. Eine weitere Unterscheidung macht man zwischen natürlichen Schwebstoffen wie natürlichem Nebel, Wolken oder Vulkanstaub. Menschengemachte Aerosole werden zum Beispile verursacht durch Rauch oder Schwefeltrioxidnebel.

Beim Anbau von Pflanzen und in der Tierhaltung werden in landwirtschaftlichen Betrieben Aerosole beim Nebeln/Sprühen von Pflanzenschutzmitteln erzeugt.

Auch alle chemischen Kampfstoffe lassen sich in Aerosol-Form verwenden. Aufgrund ihrer Schwebfähigkeit kann diese Art von Kampfstoffen auf fatale Weise "effektiv" über lange Zeiträume hinweg wirken. Radioaktive Aerosole verbleiben zum Beispiel wochen- und monatelang in der Atmosphäre.

Die Wirkung der Aerosole hinsichtlich des Klimawandel ist kaum erforscht

Soweit die sachliche Klassifizierung eines Stoffgemischs, das die Energiebilianz der Atmosphäre beeinflusst. Die Berechnung dieser Auswirkungen ist jedoch äußerst schwierig. Sogar namhafte Wissenschaftler geraten ins Schwimmen, wenn sie die Wirkung oben beschriebener Schwebteilchen in präzisen Zahlen angeben sollen. So sagt etwa der renommierte Klimaforscher James Hansen, der das Goddard Institute for Space Studies der Nasa leitet, dass die Fehlerquote der Aerosolbilanz "sehr groß" sei. Diese Einschätzung bestätigte im Jahr 2007 auch der Weltklimarat IPCC: Der Effekt der Treibhausgase lasse sich mit hoher Präzision berechnen, die Wirkung der Aerosole sei hingegen sehr ungewiss.

Um dieses Phänomen zu erklären hilft ein Blick in die Vergangenheit. So wusste man in den sechziger und siebziger Jahren noch vergleichsweise wenig über Klimagase oder Erderwärmung. Öl, Kohle, Gas, alles wurde verbrannt um irgendwie Energie und Wärme zu erzeugen. Heute übliche Filter gegen Schwefeldioxid (SO2) oder Staub gab es damals kaum. Ebenso wenig wie ein Bewusstsein um die möglichen Zusammenhänge, Wechselwirlkungen und deren Folgen. Wir bliesen gedankenlos enorme Mengen CO2 in die Atmosphäre. Die Folge davon: die CO2-Konzentration stieg. Aber merkwürdigerweise erhöhten sich die Temperaturen erhöhten bis Ende der siebziger Jahre kaum.

Hier beginnt die Schwierigkeit des Berechnens. Man weiß, dass CO2 in der Luft den Treibhauseffekt vergrößert. Aber große Aerosol-Mengen dimmten zum Beispiel das Sonnenlicht in der damaligen Zeit minimal. Als dann Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre immer mehr Kohlekraftwerke mit Filtern ausgerüstet wurden, minimierte man den Aerosolausstoß, aber auch dessen Dimmwirkung auf die Sonne. Mehr Sonnenenergie erreichte die Erdoberfläche, ein starker Anstieg der Temperaturen setzte ein. Die Folge davon war, dass mehr Sonnenenergie die Erdoberfläche erreichte und die Temperaturen stiegen. 

Schon die Einschätzung der Aerosol- Verursacher ist unsicher. So geht man aktuell davon aus, dass nur etwa 20 Prozent von uns Menschen verursacht werden. Noch schwieriger ist die Berechnung der exakten Energiebilanz der Atmosphäre. Klimagase wie CO2 und Methan bewirken eine zusätzliche Wärmeaufnahme der Erde durch die Sonnenstrahlung von drei Watt pro Quadratmeter - diesen Wert können Forscher immerhin noch präzise berechnen.

Der Beitrag der Aerosole beträgt minus zwei Watt pro Quadratmeter, sagt Hansen. Diese Schätzungen bei der Quantifizierung der Aerosolwirkung spiegeln sich in den verschiedenen Klimamodellen wieder, mit denen die Forscher arbeiten. Die Kühlwirkung von SO2 beispielsweise variiert von Modell zu Modell um den Faktor sechs, schreiben die Nasa-Forscher in ihrem Report. Die indirekte Aerosolwirkung durch Aufhellung der Wolken unterscheide sich sogar um den Faktor neun. Deshalb könne man nicht annehmen, dass Prognosen der verwendeten Klimamodelle für die Zukunft genau seien, warnen die Wissenschaftler, auch wenn diese die Temperaturänderungen der Vergangenheit richtig widerspiegelten. Deshalb sei eine intensive Erforschung der Aerosole unabdingbar.

Werner Weber, Physik-Professor an der TU Dortmund und Gutachter des Nasa-Reports, sieht wie andere Klimaforscher auch sogar Indizien dafür, dass Aerosole derzeit den Klimawandel maskieren. "An der Front des Temperaturanstiegs hat sich in den vergangenen zehn Jahren nicht viel getan", sagt er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Und dies, obwohl zugleich die CO2-Konzentration kontinuierlich gestiegen sei.

Stecken die in den vergangenen Jahren massenhaft in China gebauten Kohlekraftwerke hinter dem Phänomen - ähnlich wie in den sechziger und siebziger Jahren? Weber hält das für "logisch". Viele chinesische Kraftwerke arbeiteten ohne Filter und pusteten deshalb große Mengen SO2 in die Luft: ein Aerosol, das das Sonnenlicht dimmt. Der Dreck der chinesischen Kraftwerke könnte demnach die Erderwärmung abmildern.

Wir müssen uns fragen, was geschieht, wenn die chinesischen Kraftwerke reihenweise mit Filtern ausgerüstet werden? Wiederholt sich dann das bekannte Phänomen, dass wir Anfang der Achtziger bei uns beobachten konnten? Webers Einschätzung zufolge wird genau das passieren: „ Die Luft wird besser, und die Temperaturen steigen rasant." sagt er vorraus.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass nur das Erforschen aller komplexen und globalen Zusammenhänge uns langfristig Antworten und hoffentlich auch Lösungen bringen, mit denen wir und unser Planet über-leben können.

Quelle für Textauszüge: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,602320,00.html

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